
Stefan Fischer-Fels
Jahrgang 1964. Berlin. Mein Vater kam aus Sachsen-Anhalt und war Opernsänger, und ich musste schon mit 6 dem „fliegenden Holländer“ und der „La Bohème“ zuschauen. Mit 8 hatte ich die „Zauberflöte“ schon 12mal gesehen und konnte die komplette Partitur mitsingen. Mit 10 hatte ich die Schnauze voll und betrat 20 Jahre lang kein Opernhaus mehr. Opernsänger war damit als Berufs-Option gestorben. Ich hätte Apotheker werden können. Meine Mutter kam aus dem „Sudentenland“ und war Apothekerin, und ich durfte nach der Schule in die Apotheke kommen, Salben rühren, Pillen drehen und Rezepte stempeln. Ich aber wollte Leben! Abenteuer! Mit 19 wusste ich (Waldorfschüler!), was ich will: Lehrer, Journalist oder Schauspieler. Alles klar? Dann fing das Leben an: Studium der Schauspielkunst, Fußballtrainer, Erziehungswissenschaften, Psychologie, Soziologie in Tübingen, bis heute drei wundervolle Kinder (Jonathan, Adrian und Emma), zehn Jahre Dramaturg und Theaterpädagoge am GRIPS Theater Berlin. Leben und Lernen: Alles über Abschiede und Neuanfänge… Heute gehe ich selten in die Oper und langweile mich meistens im Theater. In Apotheken fühle ich mich dagegen wie zuhause. Geworden bin ich Theaterleiter, kann jetzt meistens selber bestimmen, was läuft: Theater, bei dem die Luft brennt, mit Spaß und Politik, Lachen und Weinen, Geschichten übers Leben, wie es jeder kennt und es doch nur Dichter, Regisseure und Schauspieler bis zur Erkennbarkeit „verdichten“ können. Ich bin Stückentwickler, Muse und Manager, Unterstützer und Ermöglicher. Und manchmal darf ich mich selber besetzen und mitspielen. Das ist ein Leben, wie ich es mir damals beim Pillendrehen erträumt habe: Anstrengend, aber voller Abenteuer!
Undine, die kleine Meerjungfrau

