1976
wird das Kinder- und Jugendtheater unter der Intendanz von Günther Beelitz als eigene Abteilung von Dr. Barbara Oertel gegründet. Spielstätten: Großes und Kleines Haus Düsseldorfer Schauspielhaus, mobil in Schulen und Freizeiteinrichtungen. Eine kleine Abteilung, immer auf der Suche nach einem geeigneten Spiel-Platz…
1979
Die erste eigene Spielstätte entsteht – in der Münsterstraße – in einer ehemaligen Betriebskantine: eine Raumbühne mit 200 Plätzen. Kein Zuschauer ist hier weiter als 5 m vom Bühnengeschehen entfernt. Hier entwickelt sich das inhaltliche Konzept:"Ein THEATERSPIELPLATZ – zum Fantasie wachkitzeln… Impulse setzen bei Kindern und Jugendlichen – als Medizin gegen Hilflosigkeit, Aggression, Fäuste,…für ein bisschen Lächeln… und Lachen oder Mut, ausgetretene Wege zu verlassen."
1993
Das neue Haus in der Münsterstrasse 446 wird bezogen – eingebaut in eine alte Fabrikhalle, in der im 2. Weltkrieg Torpedos hergestellt wurden. Ein richtiges Theater mit zwei SPIEL-PLÄTZEN: der große Theaterraum für 300 Besucher und das kleine Theater unterm Dach mit 99 Plätzen erlauben unterschiedlichste Theaterformen.
In den 26 Jahren unter ihrer Leitung – von 1976 bis zu ihrem – leider viel zu frühen –Tod im Juli 2002 – entwickelt Dr. Barbara Oertel-Burduli als Autorin, Regisseurin und Spielerin folgende Schwerpunkte im Spielplan des Kinder- und Jugendtheaters:
- Das Kindermusiktheater
- Die Märchen als assoziatives Bildertheater
- Das Mitspieltheater
- Das Jugendtheater: anfangs Stücke direkt auf das jugendliche Publikum "zugeschnitten", dann Stücke, Themen, Autoren des Erwachsenentheaters und das Thema "Gewalt".
- Mit ihrem Kindermusiktheater aus den Anfangsjahren will Barbara Oertel-Burduli Kinder ab 5 Jahren an E-Musik heranführen, sie zum Hören von E-Musik und zum eigenen Musizieren motivieren. Dabei entwickelt sie – in Zusammenarbeit mit dem Jugend-Sinfonieorchester der Städt. Musikschule Düsseldorf – eine neue Kunstform: In der Verbindung von Orchester und Sprache entsteht instrumentales Theater für Kinder.
- Märchen nehmen von Anfang an eine wichtige Position im Spielplan des Kindertheaters ein. Ab 1985 schreibt und inszeniert Barbara Oertel-Burduli ihre eigenen Märchenbearbeitungen, werden ihre Märchen als "assoziatives Bildertheater" eine Alternative zu Fernseh- und Video-Realismus, eine Herausforderung, wie ein Detektiv Theaterbilder zu knacken, hinter ihnen individuelle Wirklichkeit zu entdecken, Wahrheiten auf die Spur zu kommen, die trösten, Mut machen…
- Was die kleinen Zuschauer bewegt, ängstigt und wonach sie Sehnsucht haben, erspürt und erfühlt Barbara Oertel-Burduli in ihren Erzählspielvorstellungen vor Ort, in Turnhallen und Schulaulen, wo sie mit 6-10jährigen aus dem Stand Theater spielt. Dabei beginnt sie eine Geschichte zu erzählen, die sofort mit allen Kindern in szenische Bilder, in Theatergeschehen umgesetzt wird. Dieses MITSPIELTHEATER bildet häufig die Grundlage für neue Märchenbearbeitungen. Seit 1987 spielt sie es auch im "richtigen" Theater – mit Bühnenbild, Kostümen, Requisiten, Licht und Musik.
- Im Jugendtheater werden Anfang bis Mitte der 80er Jahre Stücke gespielt, die im Umfeld des jugendlichen Publikums entstehen – es geht z.B. um Identitätssuche, um Generationskonflikte, um das Thema "Umwelt". 1987 startet das Jugendtheater mit Stücken der Welt-, der Erwachsenenliteratur, denn- wo kann man klassische Stoffe sinnlicher und lebendiger vermitteln als im Theater, ob es sich um Goldonis DIENER ZWEIER HERREN, KABALE UND LIEBE oder ENDSPIEL von Samuel Beckett handelt.
Von 1987 bis 1995
geht das Jugendtheater einen ungewöhnlichen Weg. Es beschäftigt sich in sieben Produktionen und seinen 1.Schultheatertagen im neuen Haus mit dem Thema GEWALT und INTOLERANZ - vom TAGEBUCH DER ANNE FRANK (1987) bis zur WEST SIDE STORY (1994):
"Theater-Vergangenheitsbewältigung" mit dem "Blick nach vorn" und Auseinandersetzung mit eigener möglicher Gewaltbereitschaft.
Barbara Oertel-Burduli ist es zu verdanken, dass das Kinder- und Jugendtheater seit 1976 einen festen, nicht mehr wegzudenkenden Platz im Leben der Stadt Düsseldorf gefunden hat. Sie hat sich den Neubau im wahrsten Sinne "erkämpft" für die Kinder der Stadt und der Umgebung. Und ihr Konzept, Kindern und Jugendlichen aller Schichten und aller Schularten den Theaterbesuch zu ermöglichen, wird bis heute weitergeführt. Die jungen Leute werden ihr das auch in Zukunft danken….
2002/2003
folgt nach dem Tod von Barbara Oertel-Burduli am 17. Juli 2002 eine Interimsspielzeit unter der Leitung von Ute Kessler, ihrer langjährigen Mitarbeiterin: Beide haben diese Spielzeit mit Stücken wie DIE MEMPHIS BROTHERS und ROMEO UND JULIA noch gemeinsam geplant.
2003/2004
Neustart unter dem neuen Leiter Stefan Fischer-Fels, bisher langjähriger Chefdramaturg am Berliner Grips-Theater. Unter seiner Maxime THEATER VOM LEBEN FÜRS LEBEN hat sich diese kleine Abteilung des Schauspielhauses zu einem Uraufführungs- und Autorentheater entwickelt und damit weit über die Grenzen der Stadt Beachtung gefunden, Preise bekommen und etliche Gastspiele gegeben. Es gibt ein überregional beachtetes und gelobtes Ensemble aus drei Schauspielerinnen und vier Schauspielern, das in der ersten "neuen" Spielzeit 2003/2004 8 Uraufführungen und Premieren herausbrachte und 289 Vorstellungen gespielt hat. Darüber hinaus wird ein Repertoire aufgebaut, so dass das ganze Jahr über für unser Publikum eine Vielzahl an Stücken zur Auswahl steht. Und es werden mittlerweile Vorstellungen an jedem Wochenende angeboten, entweder für Kinder und Familien oder für Jugendliche am Abend. Weiter ist das theaterpädagogische Angebot enorm erweitert worden und wird auch in überwältigendem Maß angenommen. (siehe unter "Spielplan" und "Pädagogik").
"Theater für Kinder und Jugendliche, das sind fantastische Geschichten zum Lachen und Weinen, zum Nachdenken und Genießen, ästhetische und literarische Abenteuer, das ist Theater, das Kinder und Jugendliche ermutigt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und Lösungen für die eigenen Probleme zu suchen. Theater für Kinder und Jugendliche – das sind Geschichten, die mit unserem Leben zu tun haben, unseren Ängsten, Sehnsüchten, Träumen und Hoffnungen, Glücksrittern und Unglücksraben, Verrückten und Verzagten, mit kleinen und großen Leuten, mit Liebesabenteuern und anderen Katastrophen. Ein Ort für neue Autoren und moderne Geschichten, die mit dem Leben der Kinder und Jugendlichen zu tun haben. Theater vom Leben fürs Leben, Theater, das man "gebrauchen" kann, Theater zum Anfassen. Junges Schauspielhaus: www.junges-schauspielhaus.de StefanFischer-Fels


